Im kleinen Stil
Wir sitzen fest. In unseren eigenen vier Wänden. Allein, zu Zweit, mit der Familie. Ein Zustand, an den wir uns ganz langsam gewöhnen. In der Verhaltenstherapie heißt es, dass es drei Wochen braucht, bis der Mensch sich an neue Situationen gewöhnt und sie sich zu eigen macht. Was wir also in der Corona-Zeit erleben ist eine Verhaltenstherapie der breiten Masse. Und wir alle lernen Dinge, die wir im großen Stil bewegt haben – „mal eben kurz verreisen“, „wo kann ich denn heute essen gehen?“, „mit wem verbringe ich denn heute die Nacht?“ – auch im kleinen Stil zu bewegen. Nämlich zu Hause.

Ein blinder Fleck
Der erste Gedanke, der mir kam, als die Maßnahmen verhängt wurden, war: das ist Freiheitsberaubung! Das können sie nicht machen! Und überraschenderweise stelle ich fest: Nein, das können sie nicht machen, das können WIR machen. Und wir tun es. Aus den verschiedensten Gründen. Aber vielleicht und vor allem aus dem Grund, dass wir selbstverantwortlich und verantwortungsbewusst handeln wollen. Plötzlich nehmen wir die alten Leute in unserer Nachbarschaft wahr, die beschützt werden müssen. Wir sehen unsere Eltern und Großeltern mit anderen Augen und möchten sie noch lange Zeit um uns herum haben. Wir sorgen uns um Menschen mit Vorerkrankungen und solchen, die alleine sind oder an Depressionen leiden. Der blinde Fleck unserer Gesellschaft wird uns plötzlich bewusst. Und wir empfinden Mitgefühl. Diese Zeit lehrt uns ein kollektives Mitgefühl.

Die eigene Geschichte
So erlebt jeder einzelne von uns derzeit seine ganz persönliche Corona-Geschichte. Ein kleiner Einblick in meine Geschichte:

Ich bin dankbar. Denn jeden Morgen darf ich aufwachen und feststellen, dass ich ein Dach über den Kopf habe, fließendes und sauberes Wasser habe, reichlich zu essen habe – ohne Hamstereinkäufe zu tätigen, reichlich Klopapier! Ich bin gesund, mein Partner ist es auch und meine Familie, die in derselben Stadt wohnt, auch. Seine Familie ebenfalls. Der Rest meiner Familie, die über Deutschland und die Schweiz verteilt ist, ist auch gesund. Und meine entfernten Verwandten in Libyen auch – auch wenn sie weitaus massivere und gewaltvollere Einschränkungen von Freiheit erleben, als wir es tun. Ich habe Strom, die Wohnung ist warm, das Wetter und die Natur sind unfassbar schön. Was für ein wundervoller Frühling. Ich lausche den Vögeln beim Singen auf dem Balkon und lasse die Sonne in jede Faser meines Körper eindringen. Ich bin selbstständig, kreativ und … und hier muss ich kurz unterbrechen.

Ich bin kreativ. Beruflich bedingt. Das erwartet man von mir. Ich bin kreativ und … in der Regel suche ich Zerstreuung im Außen, um mich inspirieren zu lassen. Doch das kann ich aktuell nicht. Und die digitalen / sozialen Medien inspirieren mich nur bedingt. An dieser Stelle beginnt meine persönliche Corona-Story eine Wendung zu nehmen. Von ich bin dankbar zu: ich bin blockiert.

Die Blockade
Wir befinden uns in Woche Drei der bundesweiten Corona-Maßnahmen. Das bedeutet, dass wir uns in der Gewöhnungsphase befinden. Und was soll ich sagen, ich mache Fortschritte. Die eigenen vier Wände, die mich isoliert und blockiert haben, stehen sinnbildlich für die Grenzen, die ich in meinem Kopf habe. Grenzen, die ich mir selbst gesetzt habe. Grenzen, die das Ante-Corona-Leben herbeigeführt haben. Zerstreuung. Überall. Jederzeit. Kreativ sein? Keine Spur. Produktiv? Ich würde eher sagen: reproduktiv! Einer meiner täglichen Leidenssätze sah ungefähr so aus: „Was soll ich denn noch erfinden, was es nicht schon lange irgendwo gibt? Und irgendwo in den sozialen Netzwerken zu sehen gibt? Ein Suchwort bei Google. Ein Hashtag bei Instagram. Ein Stichwort bei Pinterest. Und die Idee war im Keime erstickt. Die Motivation verloren. Und die nächste Idee im Anflug. Nur um wiederholt im Keime erstickt zu werden. Keine Leidenschaft. Nur Konkurrenz. Nur Anpassung an die breite Masse. Flüchtigkeit. Kapitulation. Abstumpfung.

Digitale Globalisierung
Das macht etwas mit dem kreativen Gehirn. Da wo sich einst Synapsen bildeten, um in Windeseile neue Reize, Informationen und Ideen weiterzuleiten und eventuell weiterzuspinnen, sind Synapsenstümpfe, die erst einmal wieder belebt werden wollen. Am leichten Zugang zur digitalen Globalisierung und aller denkbaren Ideen ändert sich nichts, aber es ändert sich etwas grundlegendes an der Auseinandersetzung damit. Das ist ein schleichender Prozess, der Zeit bedarf. Und das fragile Ego eines Kreativen braucht diese Zeit. Also was könnte heilsamer sein, als Zeit in der Isolation und Entschleunigung in Mitten der eigenen vier Wände? Nichts!

Die Endlichkeit der Ablenkung
Entschleunigung in der Isolation sorgt für eine langsame Entkoppelung sämtlicher Reiz- und Informationsfluten. Nichts kann uns ab einem gewissen Zeitpunkt mehr ablenken – auch die Serien auf Netflix, Disney Chanel, Amazon Prime und weitere Anbieter sind endlich. Wir geraten zunehmend in Konfrontation mit uns Selbst. Mit unseren eigenen Geschichten. Über einen längeren Zeitraum. Zu Hause. Keine mentalen Wochenendseminare und Ausflüge in Schweigekloster oder wochenlange Urlaube im Nirgendwo und Anderswo. Wir bleiben zu Hause. Und, wenn wir es zulassen, ist das ganz schön erholsam. In den meisten Fällen. In meinem Fall.

Die Kunst der Gedankenfreiheit
Denn ich lerne in den eigenen vier Wänden auszuharren und das ach so bekannte Umfeld als Spiegel für meine Ideen zu nutzen. Ich nutze den kleinsten Raum so, dass er keine Grenzen mehr hat. Die Grenzen in meinem Kopf lösen sich allmählich auf. Und digitalen Medien beherrschen mich nicht mehr. Über ihre Abrufbarkeit und Gewichtung herrscht die Belastungsgrenze meiner Rezeptoren. Keine Ablenkung mehr. Keine Fluchtgedanken. Ich räume mir Platz ein für meine Ideen. In meiner Wohnung. In meinem Kopf. Ich beherrsche die Kunst der Gedankenfreiheit. Ab jetzt, jederzeit und überall. Wir alle können liberalisierte Kreativität lernen und herbeiführen, wann und wo immer wir wollen. Auch in der Post-Corona-Zeit. Was für ein Geschenk.

Du möchtest mehr erfahren über die Liberation der Kreativität und wie genau Du sie erlernen und meistern kannst? Melde dich für meinen Newsletter an (der erscheint maximal einmal pro Woche – keine Spamerei, versprochen!).

In diesem Sinne, bleibt weiterhin gesund und munter ♥

Eure Zena

Liberation der Kreativität – eine Methode

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